Inhalte des Produktionslenkungsplans


5 (1) Wir greifen aus aktuellem Anlass nochmals das Thema auf, welche Inhalte in einen Produktionslenkungsplan  (PLP) gehören. Das liegt darin begründet, dass wir immer mehr Feedback von Unternehmen erhalten bei denen dieses Thema immer wieder zu Stress Situationen bei Audits führt, da hier anscheinende die unterschiedlichsten Meinungen zu kursieren. Ein nettes Praxisbeispiel hierzu: Ein …read more →

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Wir greifen aus aktuellem Anlass nochmals das Thema auf, welche Inhalte in einen Produktionslenkungsplan  (PLP) gehören. Das liegt darin begründet, dass wir immer mehr Feedback von Unternehmen erhalten bei denen dieses Thema immer wieder zu Stress Situationen bei Audits führt, da hier anscheinende die unterschiedlichsten Meinungen zu kursieren. Ein nettes Praxisbeispiel hierzu: Ein Werker steht an einer Anlage und überprüft, ob die Parameter richtig eingestellt sind, weil es in einer Arbeitsanweisung vorgegeben ist. Der Auditor deutet dies als eine Prüfung und fordert das in den PLP aufzunehmen. Das Unternehmen kämpft darauf basierend mit dem Irrsinn jetzt eine Meßsystemanalyse für dies Prüfung durchführen zu müssen.

Die IATF 16949 definiert, dass alle Produktionslenkungsmaßnahmen in den PLP aufgenommen werden müssen. Doch was sind denn die Produktionslenkungsmaßnahmen? Hierzu gibt uns die IATF 16949 keine Informationen. Jedoch erhalten wir in den VDA Bänden Besondere Merkmale und Robuster Produktionsprozess deutliche Hinweise hierzu. Aus den Bänden ergibt sich folgende Definition: In den Produktionslenkungsplan gehören alle Prüfaktivitäten, die dazu dienen Restrisiken aus nicht robusten Produkt- und Prozesskonstruktionen zu steuern. Diese Restrisiken werden durch die Q-Werkzeuge der Design und Prozess FMEA definiert und quantifiziert. Als Grundlage hierzu dient also folgende Regel:

  1. Mache das Produkt- und Prozessdesign fehlerfrei.
  2. Ermittle mögliche Restrisiken mit der FMEA.
  3. Steuere Restrisiken mit Prüfungen im PLP.

Betrachten wir hierzu ein einfaches  Prozess FMEA Beispiel, um die praktische Anwendung richtig zu verstehen. Als Beispiel dient uns eine einfache Montage einer funktionalen Baugruppe, welche im Fahrzeug vom OEM eingebaut wird.

Prozess: FMEA Montage Endbaugruppe – Arbeitsgang: Teil A mit Teil B fügen
Aus- wirkung Bedeutung (B) Fehler Ursache Vermei-dung Auf-treten (A) Ent-deckung Ent-deckung (E) RPZ Maßnahme
Plötzlicher Liegen-bleiber Fahrzeug 10 Teil A mit B nicht lage-richtig montiert Mitar-beiter legt Bauteile nicht korrekt in Vor-richtung Keine 10 Keine 10 1000

Wenn wir die Prozess FMEA frühzeitig durchführen, dann stellen wir in der Planung einer Montageeinrichtung fest, dass der Werker einen Fehler beim Einlegen von 2 Bauteilen durchführen kann, der sicherheitsrelevante Auswirkungen haben kann. Zu diesem frühen Zeitpunkt haben wir den Fehler weder konstruktiv vermieden noch eine Prüfung zur Fehlerfindung geplant. Somit haben wir also ein entsprechend hohes Risiko im Produktionsprozess. Das Ziel dieses Risiko nun zu reduzieren richtet sich in der Prozess FMEA nach folgender Schrittfolge aus:

  1. Reduziere zuerst die Auftretenswahrscheinlichkeit (A), in dem den Produktionsprozess robuster machst (Prozessoptimierungen).
  2. Ist Schritt 1 nicht möglich, dass definiere ausreichende Entdeckungsmaßnahmen um den Fehler zu finden und erhöhe die Entdeckungswahrscheinlichkeit (E).

Dies würde dann in der darauf aufbauenden weitergehenden Prozess FMEA wie folgt aussehen:

Prozess: FMEA Montage Endbaugruppe – Arbeitsgang: Teil A mit Teil B fügen
Aus- wirkung Bedeutung (B) Fehler Ursache Vermei-dung Auf-treten (A) Ent-deckung Ent-deckung (E) RPZ Maßnahme
Plötzlicher Liegen-bleiber Fahrzeug 10 Teil A mit B nicht lage-richtig montiert Mitar-beiter legt Bauteile nicht korrekt in Vor-richtung Keine 10 Keine 10 1000
Quali-fikation Mit-arbeiter zum korrekten Ausführen des Arbeits-gangs 6 Keine 10 600

Wir sehen nun, dass der Prozess dadurch robuster gemacht wird, dass wir die Mitarbeiter in der Durchführung der Arbeitsgänge qualifizieren. Doch dies macht den Prozess leider nicht komplett fehlerfrei, was wir dadurch erkennen dass die A-Bewertung mit der Zahl 6 eingestuft wurde. Wir haben also ein hohes Restrisiko im Produktionsprozess. Entweder eliminieren wir dieses Restrisiko oder wir definieren eine Produktionslenkungsmaßnahme, welche über den PLP gesteuert wird.

In der nächsten Evolutionsstufe der Prozess FMEA sieht das dann evtl. wie folgt aus:

Prozess: FMEA Montage Endbaugruppe – Arbeitsgang: Teil A mit Teil B fügen
Aus- wirkung Bedeutung (B) Fehler Ursache Vermei-dung Auf-treten (A) Ent-deckung Ent-deckung (E) RPZ Maßnahme
Plötzlicher Liegen-bleiber Fahrzeug 10 Teil A mit B nicht lage-richtig montiert Mitar-beiter legt Bauteile nicht korrekt in Vor-richtung Keine 10 Keine 10 1000
Quali-fikation Mit-arbeiter zum korrekten Ausführen des Arbeits-gangs 6 Keine 10 600
100% sensorische Abfrage der Lage der Bauteile in Vorrichtung 1 10 100

Hier sehen wir nun, dass wir den Produktionsprozess komplett fehlerfrei definiert haben über die Abfrage der Lage der Bauteile und somit auf eine A-Zahl von 1 kommen, d.h. ein Fehlerauftreten ist nicht mehr möglich, da der Prozess gestoppt wird, wenn die Bauteile nicht richtig in der Vorrichtung liegen. Eine weitere Prüfung als Produktionslenkungsmaßnahme ist nun nicht mehr nötig. Was aber, wenn wir den Prozess nicht weiter absichern können oder wollen?

Das würde dann in der Prozess FMEA wie folgt aussehen:

Prozess: FMEA Montage Endbaugruppe – Arbeitsgang: Teil A mit Teil B fügen
Aus- wirkung Bedeutung (B) Fehler Ursache Vermei-dung Auf-treten (A) Ent-deckung Ent-deckung (E) RPZ Maßnahme
Plötzlicher Liegen-bleiber Fahrzeug 10 Teil A mit B nicht lage-richtig montiert Mitar-beiter legt Bauteile nicht korrekt in Vor-richtung Keine 10 Keine 10 1000
Quali-fikation Mit-arbeiter zum korrekten Ausführen des Arbeits-gangs 6 Keine 10 600
6 100% automatische Prüfung auf lagerichtig montierte Baugruppe 1 60

Können wir den Produktionsprozess nicht weiter absichern, so müssen wir eine Produktionslenkungsmassnahme aufbauen, welche über den PLP eingesteuert wird. Hierbei entscheiden wir uns für eine 100% Prüfung der fertigen Baugruppe. Diese Maßnahme muss in den PLP aufgenommen werden. Lassen wir uns nicht von der RPZ täuschen- interessanterweise ist diese höher, wenn wir den Prozess komplett absichern und niedriger, wenn wir den Prozess nicht komplett absichern, jedoch zusätzlich mit einer 100% Prüfung arbeiten. Trotzdem ist der Aufbau der 100% Endprüfung vielleicht für die Darstellung des Restrisikos besser, jedoch als Verschwendung zu definieren, da wir nur schlechte von guten Bauteilen trennen können.

Ich hoffe dieses einfache Beispiel hilft Ihnen dabei Ihre PLPs in Zukunft pragmatischer gestalten zu können.

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2 Kommentare Inhalte des Produktionslenkungsplans

  1. Hallo Herr Grewendick,
    leider erschließt sich mir der Zusammenhang des PFMEA-Beispiels und des Praxis-Beispiels des Werkers noch nicht. Gibt es eine Alternative zu dem im ersten Abschnitt beschriebenen Irrsinn? Vielen Dank für eine Erläuterung. Gruß

    1. Hallo “Nicole”,

      ich kann Ihnen den erwähnten “Irrsinn” gerne erklären. Dies würde ich gerne direkt mit Ihnen durchführen. Schreiben Sie mich deshalb bitte nochmals direkt privat an über den integrierten Chat hier. Danke sehr!

      Gruss, Boris Grewendick

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